Mit dem Beginn der Adventszeit hat das Warten auf das Weihnachtsfest begonnen. Festlich klingende Lieder werden gesungen, die Vorfreude auf das Christfest wird in schlichte und freudige Worte gefasst. Wer das Brauchtum liebt, zündet eine Kerze am Adventskranz an, um auf das näherkommende Licht in Jesus Christus hinzudeuten. Es herrscht freudige Stimmung dort, wo man sich zum Gottesdienst versammelt und die Adventszeit feiert.
Eines der wohl beliebtesten Adventslieder beginnt mit den Worten: „Tochter Zion, freue dich“ (Neuapostolisches GB 4). Mit diesen Worten hat der Prophet Sacharja die Ankunft des Königs aller Könige prophezeit: „Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir“ (Sach 9,9). Was der Prophet vorausgesagt hat, ist nach biblischer Überlieferung mit dem Einzug Jesu in Jerusalem in Erfüllung gegangen (Mt 21,1–9). Diejenigen, die mit Freude und Jauchzen auf ihren König warten, sind zuerst die Menschen in Jerusalem, die als Tochter Zion, Tochter Jerusalem angesprochen werden. In zweiter Linie sind wir es, die wir im Advent auf die Ankunft des Erlösers, des Königs aller Könige warten.
Der Einzug Jesu, wie ihn die Evangelien übereinstimmend berichten, hat vordergründig nichts mit Advent oder gar dem Weihnachtsfest zu tun. Dennoch ist es seit der Antike Brauch, diese Bibelstelle aus dem Matthäusevangelium in den Gottesdiensten am 1. Advent zu verlesen. Mit dem 1. Advent beginnt nämlich das neue Kirchenjahr und dabei gedenkt man besonders gerne des Einzuges Jesu in Jerusalem: Jesus wird begrüßt als Herr und König dieser Welt, man freut sich über sein Kommen und öffnet die Türen der Herzen für ihn.
Ursprünglich war das festliche, von Freude überbordende „Tochter Zion, freue dich“ nicht für die Adventszeit gedacht. Denn darin wird der Sieg des Josua im Alten Testament gefeiert und (in einer späteren Version) das Schlachtenglück des Judas Makkabäus. Der Chorsatz stammt von Georg Friedrich Händel (1685-1759), der am englischen Königshof prächtige Oratorien schrieb und gerne alttestamentliche Helden als Vorbilder für den jeweils regierenden König darstellte. Der in heutigen Gottesdiensten und Adventsfeiern gesungene Text wurde um das Jahr 1820 von dem Theologen und Liederdichter Friedrich Heinrich Ranke (1798–1876) gedichtet. Er greift die Worte des Propheten Sacharja auf und verbindet diese in den weiteren Strophen mit der Beschreibung des Einzuges Jesu als des Friedensfürsten.
So spannt sich der Bogen vom Wort des alttestamentlichen Propheten über den Einzug Jesu in Jerusalem bis zum diesjährigen Advent.
Das Wort aus dem Propheten Sacharja ist Grundlage des Gottesdienstes am Sonntag, 1. Dezember 2024, am 1. Advent.
28. November 2024
Text:
NAK Süddeutschland,
Redaktion -hk-
Fotos:
Archiv
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