Jutta und Christian Schwerdtfeger feierten in der Gemeinde Moers-Mitte ihre goldene Hochzeit. Apostel Thorsten Zisowski gab ihnen für den weiteren gemeinsamen Weg das Wort Jesu „Bleibt in mir und ich in euch“ mit. Über dem gesamten Gottesdienst stand die Vaterunser-Bitte „Dein Reich komme“. Mit Victoria und Maxima empfingen zwei Kinder die Heilige Versiegelung. Iris van Baal wurde zur Diakonin ordiniert.
Fünfzig gemeinsame Jahre gaben diesem Sonntag sein besonderes Gepräge. Familie, Freunde und Weggefährten aus der Gebietskirche füllten die Reihen der Moerser Festgemeinde. Die Eheleute, die Apostel Zisowski als Aktivposten in ihrer Gemeinde bezeichnete, waren umgeben von vielen, die Anteil an ihrer gemeinsamen Lebensgeschichte haben.
Ein halbes Jahrhundert lässt sich nicht in einer Segensansprache zusammenfassen. Der Apostel berichtete, dass er das Paar einige Tage vor dem Gottesdienst zu Hause besucht habe. Natürlich habe man gemeinsam auf die vergangenen Jahre geschaut, sagte er. Das Gespräch sei aber ebenso der Zeit gewidmet gewesen, die jetzt vor den beiden liege. Die Segenshandlung stellte der Apostel daher unter das Wort „Bleibt in mir und ich in euch“ aus dem Johannesevangelium.
Jesus spricht dort vom Weinstock und den Reben. Von einer Verbindung, die Leben ermöglicht und Frucht hervorbringt. Bleiben klingt zunächst nach Stillstand. In diesem Bild meint es jedoch das Gegenteil: eine Beziehung, die lebendig bleibt, auch wenn sich ringsum vieles verändert.
Nach fünfzig gemeinsamen Jahren bekommt ein solches Wort sein eigenes Gewicht. Der Apostel erinnerte in seiner Ansprache an die „hohen kirchlichen Ämter“, die Christian Schwerdtfeger getragen und „segensreich ausgefüllt“ habe. Er würdigte zugleich die Unterstützung seiner Frau und dankte den beiden für ihren gemeinsamen Einsatz in der Kirche. Für die kommenden Jahre wünschte er ihnen einen „goldenen Glauben“, eine „goldene Liebe“ und eine „goldene Hoffnung“.
Eine Hoffnung für später – und ein Auftrag für heute
„Dein Reich komme“ – so lautete das kurze Textwort des Gottesdienstes. Die Worte sind so vertraut, dass man über sie hinwegsprechen könne, sagte der Apostel. Er erinnerte daran, wie leicht ein auswendig gelerntes Gebet den Klang eines Gedichts annehme: Man kenne jede Zeile, ohne noch bei jeder Bitte innezuhalten.
Bei „Dein Reich komme“ wäre das besonders schade – denn die Bitte richte den Blick auf die große Zukunftshoffnung des christlichen Glaubens: auf die Wiederkunft Jesu Christi, das Friedensreich und schließlich auf eine neue Schöpfung.
Doch Jesus habe vom Reich Gottes nicht nur in der Zukunft gesprochen. Er habe seinen Jüngern gesagt, dass es bereits unter ihnen sei. Gottes Reich beginne dort, wo sein Wille das Handeln von Menschen verändert: wo Vergebung an die Stelle von Vergeltung tritt, Frieden wichtiger wird als das eigene Recht und ein neuer Anfang möglich bleibt.
Dann stellte Apostel Zisowski eine Frage, die als Gradmesser für jeden Einzelnen weit über den Gottesdienst hinausreichte:
„Was hast du heute getan, damit Menschen erkennen können, dass das Reich Gottes nahe herbeigekommen ist?“
Apostel Zisowski stellte der Gemeinde sodann eine besondere Gestalt des Evangeliums vor. Sie habe keinen Eigennamen. Sie heiße schlicht der Nächste. In ihm, so die Erinnerung an ein Wort Jesu, begegne der Mensch Christus selbst, sagte der Apostel. Das Reich Gottes zeige sich demnach nicht zuerst im Außergewöhnlichen. Es zeige sich in der Art, wie einer dem anderen begegnet.
Bezirksältester Tobias Branz nahm diesen Gedanken in seinem Predigtbeitrag auf. Wer Frieden und Liebe erleben wolle, könne nicht darauf warten, dass alle anderen dafür sorgen. Gerade bei unterschiedlichen Interessen und Charakteren komme es darauf an, das Gegenüber wahrzunehmen, zuzuhören und auch dessen Sicht gelten zu lassen.
Ein Auftrag für viele Jahre
Victoria und Maxima aus den Gemeinden Moers-Nord und Moers-Mitte empfingen durch Apostel Zisowski die Heilige Versiegelung. Mit der Gabe des Heiligen Geistes werde die Wiedergeburt aus Wasser und Geist vollendet, erläuterte der Apostel. Abgeschlossen sei der Glaubensweg damit nicht. Für die Kinder beginne vielmehr eine Entwicklung, in der Glaube wachsen und im eigenen Leben Gestalt gewinnen solle.
Deshalb richtete sich Apostel Zisowski ausdrücklich an die Eltern. Ihr Ja am Altar sei kurz, der damit verbundene Auftrag reiche über viele Jahre. Sie versprachen, ihre Kinder im Evangelium Jesu Christi und im apostolischen Glauben zu begleiten. Vertrauen zu Gott lasse sich nicht allein erklären. Kinder müssten erleben können, dass dieses Vertrauen auch ihre Eltern trägt, so der Apostel.
Ein Amt für die Gemeinde
Ein geistliches Amt sei keine persönliche Auszeichnung, sagte Apostel Zisowski. Es werde nicht verliehen, um den Amtsträger hervorzuheben. Gott gebe ein Amt der Gemeinde – und der Mensch, der es empfängt, stelle es ihr zur Verfügung. Für Iris van Baal begann mit diesen Worten ihr Dienst als Diakonin für die Gemeinde Moers-Mitte. Zisowski wünschte der neuen Diakonin einen aufmerksamen Blick für Menschen, die Begleitung benötigen, und gab ihr die Aufgabe, ihnen auf ihrem Lebens- und Glaubensweg nahe zu sein. Als persönliches Geleitwort erhielt die Diakonin eine Zusage aus Jesaja 41: „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir.“
So kamen an diesem Sonntag sehr unterschiedliche Lebenssituationen vor demselben Altar zusammen. Die Bitte „Dein Reich komme“ verband sie alle in einer gemeinsamen Zukunftshoffnung, die an diesem Festsonntag alles Ferne und Unverbindliche verlor. Gottes Reich wurde sichtbar, wo Menschen Glauben weitergeben, Verantwortung übernehmen, einander dienen und verbunden bleiben.
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